Wann?

14. Juli 2016 - 19:00 Uhr

Plakat

Eventbeschreibung

Der IS steht vor seiner militärischen Niederlage, doch diese wird keinen Frieden bringen. Die Mehrheit der Zivilisten in Syrien stirbt durch die Luftangriffe des Assad-Regimes und anderer Kriegsparteien. Das schreckliche Leid geht für sie weiter. Im Irak ist zu befürchten, dass der geschwächte IS mehr Terroranschläge auf Zivilisten verübt und Konflikte zwischen Schiiten und Sunniten eskalieren. Wer ist verantwortlich für die Spirale der Gewalt? Was können wir tun?

Der Referent Jens Stappenbeck ist im Vorstand der Menschenrechtsorganisation Genocide Alert e.V. und Experte für schwerste Menschenrechtsverletzungen. Er leitet den Genocide Alert Monitor zur Erfassung weltweiter Massenverbrechen und warnt vor einer bevorstehenden Eskalation im Irak.
 

Wo?

Universität Frankfurt
Raum H IV, Hörsaaltrakt
Eingang Gräfstraße 52
Campus Bockenheim
60325 Frankfurt

Bilder der Veranstaltung

Bericht

Laut der Global Terrorism Database kam es 2015 weltweit zu fast 15.000 Anschlägen mit über 27.000 Toten. 208 der Toten starben im Westen, hauptsächlich durch die Anschläge in Paris. Allein 34% aller Opfer wurden in Syrien oder im Irak getötet. Terrorismus trifft daher in erster Linie Muslime. Die weltweit schlimmste Terrororganisation, der Islamische Staat (Daesh), ist in Syrien und im Irak auf dem Rückmarsch, wird aber auch nach seiner militärischen Niederlage Angriffe auf Zivilisten aus dem Untergrund fortführen oder sogar ausweiten. Den Militärs und Milizen in Syrien und im Irak gelang es, viele Zivilisten von der Terrorherrschaft Daeshs zu befreien. Mit Mosul und Raqqa kontrolliert Daesh aber weiterhin zwei bedeutende Städte. Doch auch wenn beide vermutlich innerhalb der nächsten 12 Monate fallen werden, wird das Terror-Regime des Daesh mit militärischen Mitteln allein nicht zu besiegen sein.

Für die Zivilisten im syrischen Bürgerkrieg wird eine militärische Niederlage von Daesh zudem kaum einen Unterscheid machen: Daesh ist nur für etwa 8% der in Syrien getöteten Zivilisten verantwortlich. Das syrische Regime, vor allem durch die Luftangriffe und den Einsatz von Fassbomben, für etwa 73% aller Opfer. Im Irak drohen unterdessen Konflikte zwischen Sunniten und Schiiten zu eskalieren. Die von der Regierung zum Kampf gegen Daesh eingesetzten schiitischen Milizen begehen Kriegsverbrechen, ermorden sunnitische Zivilisten und plündern ganze Dörfer. Daesh wiederum attackiert landesweit gezielt schiitische Zivilisten. Ähnlich wie Daesh halten die schiitischen Milizen ihre Gräueltaten auf Videos fest.

Den Gräueltaten von Daesh in der Region Einhalt zu gebieten, ist wichtig. Daesh verfügt international jedoch über zahlreiche Ableger und ist relativ mobil. Viele Kämpfer sind bereits etwa nach Libyen weitergezogen. Wirklich zu besiegen sind Gewalt und Terror nur durch ein langfristiges Engagement zur Lösung struktureller Probleme, wie Diskriminierung und Ausgrenzung von Bevölkerungsgruppen, soziale und ökonomische Ungleichheit und exzessive Korruption. Dazu gehört auch ein internationales Engagement, das über die eigenen Landesgrenzen hinausgeht. Sehr aktiv etwa wird Europa, wenn es darum geht, die Anzahl der Flüchtlinge zu begrenzen. Weniger aktiv, wenn es darum geht, die Fluchtursachen zu adressieren. Um radikal-islamistischen Organisationen ihre Argumente und ihre Anziehungskraft zu nehmen, ist es ferner grundlegend, einen inklusiven Dialog mit gemäßigten Muslimen zu führen.

Vielen Dank an Genocide Alert e.V. für die Kooperation und an den Referenten Jens Stappenbeck für die detaillierte Berichterstattung und objektive Analyse. Und natürlich an alle Teilnehmer*innen für eine hochinteressante Diskussion im Anschluss.